Wie gebe ich jemandem richtig eine Rückmeldung ?

Feedbackregeln machen die Rückmeldung wirksamer

Um einer anderen Person Feedback zu geben – das heißt eine wertschätzende Rückmeldung über die Art und Weise, wie diese Person auf Sie selbst wirkt –, sollte man bestimmte Regeln in der Ausdrucksweise, Tonalität und Mimik berücksichtigen. Die Absicht hinter der Rückmeldung sollte konstruktiv geprägt und gut gemeint sein. Aber gut gemeint ist nicht immer gut gemacht, sodass das Feedback vom Adressaten als Beleidigung, scharfe Kritik oder Affront aufgenommen werden könnte. Der jeweilige kulturelle Background spielt hier ebenfalls eine sehr wichtige Rolle.


 Geben Sie z.B. Feedback, wenn Sie darum gebeten werden. Oder fragen Sie den Empfänger am Beginn der kollegialen Beziehung, ob Sie ihm eine Rückmeldung geben können…


Die Ausgangslage ist hier in beiden Fällen unterschiedlich:

Im ersten Fall bittet der Empfänger der Rückmeldung um eine Art Stimmungsbarometer hinsichtlich seiner Wirkung auf Sie, sei es zu einer Präsentation, die er gerade abgehalten hat, oder zu einer Diskussion, die Sie beide soeben geführt haben. Er verlangt dabei nicht nur Ihre Meinung, sondern möchte sich auch kurz in Sie hineinversetzen können, um zu verstehen, wie er generell oder aber zu einem bestimmten Thema bei Ihnen ankommt. Da er kein Hellseher ist, er nicht genau weiß, wie Sie denken, und er selbst sich von außen nicht sehen und hören kann, möchte er von Ihnen wissen, wie Sie seinen Auftritt einschätzen. Durch diese Bitte schenkt Ihnen der Empfänger ein Stück weit Vertrauen. Auf der anderen Seite hoffen Sie als Feedbackgeber/-in, dass er die Regeln des Feedbacknehmers einhalten wird.

Im zweiten Fall hingegen möchten Sie der anderen Person etwas mitteilen, ohne darum gebeten worden zu sein. Sie kann dabei zusagen oder ein Feedback ablehnen. Die Ablehnung müssen Sie respektieren und so stehen lassen. Vielleicht kommt ja die betreffende Person später wieder auf Sie zurück – unter anderen Umständen. Bei einer Zusage müssen Sie sich vergewissert haben, ob der Empfänger genau weiß, worauf er sich gerade einlässt, denn die sog. „Feedbackkultur“ zieht sich nicht durch alle Kulturen, auch nicht durch ganz Westeuropa, und noch weniger durch Asien. Glaubt das Gegenüber, Sie wollen ihm nur „etwas sagen“, und das auch noch vor der Gruppe, dann könnte dies gründlich schiefgehen. Freilich wollen Sie ihm etwas mitteilen, aber die Qualität Ihrer Mitteilung ist ihm nicht unbedingt bewusst.


 Das Feedback ist ein Format, ein kurzer, zeitlich abgegrenzter Rahmen, in dem Sie einen Spagat versuchen zwischen geübter Sachlichkeit und prüfender Beurteilung der Persönlichkeit des Feedbacknehmers.


In jedem Fall nehmen Sie bei einem Feedback Stellung zur Persönlichkeit des Feedbackempfängers und da Sie es gut meinen und weiterhin friedlich mit ihm zusammenarbeiten möchten, wägen Sie Worte und Ziel Ihres Feedbacks gut ab und passen Sie es an die hierarchischen und kulturellen Gegebenheiten an – zumal Sie vielleicht international tätig sind.


 Es ist nicht empfehlenswert, Identität, Glaube, Spiritualität in das Feedback mit einzubeziehen.


Das Einhalten folgender Feedbackregeln wird beiden weiterhelfen:

Die Feedbackregeln

Beim Feedbackgeben sollte die Rückmeldung …

  • deutlich machen, dass es um ein Feedback geht.
  • erwünscht sein, zum günstigen Zeitpunkt und nicht lange danach erfolgen.
  • berücksichtigen, was der Andere braucht, ihn ermutigen.
  • Prioritäten setzen.
  • wertschätzend formuliert sein, da Sie Ihrem Gegenüber helfen möchten (nicht angreifen, nicht verletzen, nicht generalisieren und auch nicht eigene Interessen im Auge haben).
  • in der Ich-Form formuliert sein („Ich hatte den Eindruck, dass …“, „Ich habe verstanden, dass …“, „Mir fehlte dies oder das …“).
  • beschreibend sein und nicht bewertend, nicht interpretierend, nicht generalisierend.
  • der Person und/oder der Sache nützlich sein, das heißt auf Konkretes bezogen sein, das der Andere verändern kann.
  • spezifisch und genau formuliert sein.
  • ausgewogen sein, positive und negative Aspekte ansprechen.
  • in einer angemessenen, respektvollen Tonlage erfolgen.

Während des Feedbacknehmens sollten Sie …

  • den Feedbackgeber ausreden lassen.
  • sich nicht rechtfertigen oder verteidigen.
  • sich für das Feedback bedanken.
  • das Gesagte so stehen lassen, jedoch nicht unkritisch akzeptieren (Sie dürfen selbstverständlich andere Teilnehmer nach deren Eindrücken fragen).
  • sich Zeit nehmen, das Feedback auszuwerten, nachzudenken, für sich zu bestimmen, was daraus mitgenommen werden kann.

  Feedbackgeben und -nehmen bedeutet zu versuchen, sich in jemanden hineinzuversetzen. Abgesehen davon, dass dies mit einer gewissen Subjektivität und Gedankenspielen verbunden ist und das auch nicht jedermanns/jederfraus Gabe ist, kann Feedbackgeben in anderen Kulturen, abseits unserer westlichen Prägung, als völlig unverständlich, unmännlich, beleidigend, ja gar bedrohlich aufgefasst werden.


 

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