Was bedeutet interkulturelle Kompetenz?

Interkulturelle Kompetenz ist eine Schlüsselkompetenz

Die gängige Definition von interkultureller Kompetenz lautet:
„Interkulturelle Kompetenz ist die Fähigkeit, mit Individuen und Gruppen anderer Kulturen erfolgreich und angemessen zu interagieren, im engeren Sinne die Fähigkeit zum beidseitig zufriedenstellenden Umgang mit Menschen unterschiedlicher kultureller Orientierung.“ (1)


 Um es praktischer zu machen, greife ich gerne auf die Definition eines Verbundes mit 70 Jahren Erfahrung in interkultureller Kompetenz zurück, der Europäischen Union.


Interkulturelle Kompetenz wird in der EU als eine Schlüsselkompetenz beschrieben. Schlüsselkompetenzen sind diejenigen Kompetenzen, die alle Menschen für ihre persönliche Entfaltung, soziale Integration, Bürgersinn und Beschäftigung benötigen. (2)

Interkulturelle Kompetenz zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  • Die interkulturelle Kompetenz ist eine soziale und Bürgerkompetenz.
  • Sie ist eine Schlüsselkompetenz, die in einer Wissensgesellschaft für die persönliche Entfaltung, aktive Bürgerschaft, den sozialen Zusammenhalt und die Beschäftigungsfähigkeit nötig ist.
  • Sie ist kulturübergreifend, wobei Menschen kulturspezifische Kernkompetenzen entwickeln können.
  • Sie erstreckt sich auf alle Formen von Verhalten, die es Personen ermöglichen, in effizienter und konstruktiver Weise am gesellschaftlichen und beruflichen Leben teilzuhaben und ggf. Konflikte zu lösen.
  • Sie erfordert Kenntnisse und Verständnis von Verhaltensregeln und Umgangsformen, die in unterschiedlichen Gesellschaften und Umfeldern gemeinhin akzeptiert sind.
  • Sie fördert das Bewusstsein für grundlegende Konzepte insbesondere der Bundesrepublik Deutschland und der EU in Bezug auf Einzelpersonen, Gruppen, Arbeitsorganisationen, Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung, Gesellschaft und Kultur.
  • Sie erfordert die Fähigkeit, konstruktiv in unterschiedlichen Umgebungen zu kommunizieren, Vorurteile zu überwinden, Toleranz aufzubringen, verschiedene Standpunkte auszudrücken und zu verstehen, zu verhandeln und dabei Vertrauen aufzubauen sowie Empathie zu empfinden.
  • Sie beruht auf der Bereitschaft zur Zusammenarbeit, Selbstsicherheit und Integrität.
  • Sie setzt das Interesse des Einzelnen an interkultureller Kommunikation voraus

Und diese persönlichen Eigenschaften korrelieren mit der effektiven interkulturellen Kompetenz:

  • Fähigkeit, Persönliches und Berufliches auseinanderzuhalten
  • Fähigkeit, Vertrauen zu gewinnen und Empathie zu empfinden
  • Fähigkeit, die eigenen negativen Emotionen wie Ärger zu steuern und konstruktiv zu handeln
  • Fähigkeit zur Selbstreflexion und Selbsteinsicht
  • Verständnis für die Andersartigkeit der internationalen Kommunikation
  • Fähigkeiten und Fertigkeiten, das eigene Verständnis der unterschiedlichen kulturellen Ansichten zu zeigen, sowie die Bereitschaft, Meinungen und Ideen zu teilen
  • Fähigkeit zu verhandeln, um einen Konsens zu erreichen

 Interkulturelle Kompetenz ist kulturübergreifend und nicht kulturspezifisch.


Sie wurzelt im kulturellen Bewusstsein, dem sogenannten Cultural Awareness. Die interkulturelle Kompetenz ist ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess. Freilich kann jeder seine kulturellen Fähigkeiten ausbauen und kulturspezifische Kernkompetenzen entwickeln.

 

 

(1) Vgl. Wikipedia
(2) Vgl. Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 18. Dezember 2006 zu Schlüsselkompetenzen für lebensbegleitendes Lernen (2006/962/EG)